Forschung
Forschung am Lehrstuhl Hebammenwissenschaft
Der Lehrstuhl Hebammenwissenschaft an der Universitätsmedizin Rostock besteht ist seit 2022. Forschung und Theorieentwicklung zu den Themen: Kompetenzerwerb im und nach dem Hebammenstudium sowie Respektvolle Geburtshilfe befinden sich im Aufbau. Methodologisch liegt der Schwerpunkt bei qualitativen Forschungsansätzen.
Es bestehen Kooperationen mit den hebammenwissenschaftlichen Einrichtungen der Charité Unviersitätsmedizin Berlin, der Medizinischen Hochschule und der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg.
Forschungsnetzwerk „Maieutic Endeavours: Theorizing Midwifery Practices”
Forschungsnetzwerk „Maieutic Endeavours: Theorizing Midwifery Practices”
(gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Projektbeschreibung
Das wissenschaftliche Netzwerk "Maieutische Arbeit: Hebammenpraktiken in der Theorie" ermöglicht die Zusammenarbeit zwischen Hebammenwissenschaftler*innen unterschiedlicher Karrierestufen. Vor dem Hintergrund der in Deutschland erst kürzlich gesetzlich beschlossenen Akademisierung des Hebammenwesens ist dabei das Ziel die Hebammenwissenschaft zu entwickeln. Dazu werden die Netzwerkmitglieder: a. lokale, soziale und epistemologische Klüfte zwischen Theorie und Praxis der Hebammenarbeit identifizieren und analysieren; b. hebammenspezifische Konzepte untersuchen und entwickeln; c. interdisziplinäre methodologische, theoretische und methodische Ansätze systematisch zusammenführen um methodologische Werkzeuge zu entwickeln, die der Hebammenwissenschaft als einer Praxiswissenschaft gerecht werden; d. Infrastrukturen entwickeln, die Hebammenforschung strategisch fördern und strukturelle und inhaltliche Kontinuität zwischen Hebammenforschung, -studium, und -versorgung gewährleisten. Der Austausch zwischen den Netzwerkmitgliedern wird dadurch bereichert, dass internationale Wissenschaftler*innen unterschiedlicher Disziplinen, eingeschlossen der Hebammenwissenschaft, eingeladen werden, um sozialwissenschaftliche, historische und philosophische Annäherungen an hebammenwissenschaftliche Anliegen zu diskutieren. Auf diese Weise werden ein hebammenwissenschaftlicher Wissenskorpus für die Forschung, die akademische Ausbildung und die Versorgungspraxis erarbeitet und die Infrastrukturen für Forschung und Kommunikation vorbereitet, die für die Entwicklung der jungen Hebammenwissenschaft notwendig sind. Es ist dringlich, die Protagonist*innen der Akademisierung des Hebammenberufes in Deutschland in einem wissenschaftlichen Netzwerk zu vereinen um die Hebammenwissenschaft zu entwickeln. Gegenwärtig und in den kommenden Jahren werden sich Hebammenprofessor*innen vornehmlich der Einrichtung primärqualifizierender hebammenwissenschaftlicher Studiengänge widmen müssen. Zu den damit verbundenen, vielzähligen und umfassenden konzeptionellen und organisatorischen Aufgaben gesellen sich hohe Lehrdeputate. Die Mehrheit der hebammenwissenschaftlichen Studiengänge ist an Hochschulen für angewandte Wissenschaften beheimatet. Universitäre hebammenwissenschaftliche Studiengänge sind den medizinischen Fakultäten zugeordnet, in denen medizinische Forschungsansätze dominieren.
Beteiligte Personen
Antragstellerin
- Professorin Dr. Annekatrin Skeide • Berlin Charité, Institut für Hebammenwissenschaft
Projektverantwortliche Person
- Professorin Dr. Dorothea Tegethoff • Universitätsmedizin Rostock, Lehrstuhl Hebammenwissenschaft
ASK a Midwife
Forschungsprojekt „ASK a Midwife”
(gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung)
The primary goal of this study is to describe and delineate the acquisition of knowledge and skills of midwives post-certification who commence work at birth centres in Germany.
Research questions
1) Which skills and knowledge need to be acquired by state-certified midwives to work independently in a free-standing birth centre to support women to achieve a physiological birth?
2) What are the different formal and informal training procedures and methods that birth centres in Germany use to prepare new midwife colleagues to work independently to support and facilitate physiological birth?
3) What is the practical knowledge that is fostered in order to provide care during birth?
4) How do midwives experience and define a physiological birth?
5) According to the midwives, which skills did they acquire in their training that are necessary for working at the birth centre?
A secondary goal is to develop an evidence-based handbook to aid in training new midwives at birth centres in Germany.
Principal Researcher
Nancy Stone, MscPh, PhD, State-certified Midwife, Germany
Email contact: nancy.stone.phd{bei}gmail.com
Methodological Advisors
Prof. Dr. Dorothea Tegethoff MHA, University Medicine Rostock,
Gill Thomson, PhD, University of Central Lancashire, Preston, UK
Publications
Stone, N.; Thomson, G.; Tegethoff, D. (2024): Tailoring midwifery care to women’s needs in early labour: The cultivation of relational care in free-standing birth centres Midwifery 2024 Oct 2:140:104202. https://doi.org/10.1016/j.midw.2024.104202.
Stone, N.; Thomson, G.; Tegethoff, D. (2023): “Bringing forth” skills and knowledge of newly qualified midwives in free-standing birth centres in Germany: A hermeneutic phenomenological study. Journal of Advanced Nursing 80(8):3309-3322. https://doi.org/10.1111/jan.16029.
Stone, N.; Thomson, G.; Tegethoff, D. (2023):Skills and Knowledge of Midwives at Free-Standing Birth Centres and Home Birth: A meta-ethnography. Women and birth 36(5):e481-e494. https://doi.org/10.1016/j.wombi.2023.03.010.
Stone, N.; Thomson, G.; Tegethoff, D. (2021): ASK a Midwife: A Qualitative Study Protocol. International Journal of Qualitative Methods. Vol. 20 doi.org/10.1177/16094069211048383.
Stone, N. I.; Thomson, G.; Tegethoff, D. (2021b). Skills and Knowledge of Midwives at Free-Standing Birth Centres and Home Birth: An Integrative Literature Review. PROSPERO. https://www.crd.york.ac.uk/prospero/display_record.php?ID=CRD42021277616
Respektvolle Geburtshilfe
Forschungsschwerpunkt Respektvolle Geburtshilfe
Weltweit gilt Respektlosigkeit und Misshandlung während der Geburt als wesentliches Problem in der Gesundheitsversorgung. Für Deutschland gibt es keine zuverlässigen Daten dazu, inwieweit Frauen während der Geburt respektvoll begleitet werden und ihre Selbstbestimmung gewahrt wird. Insbesondere die Perspektive des Gesundheitspersonals auf diese Problematik ist praktisch unerforscht. Das ist bei der hohen gesellschaftlichen Relevanz der Wahrung elementarer Rechte sowie der Vermeidung negativer gesundheitlicher Folgen für Mütter und Kinder inakzeptabel.
Insbesondere die folgenden Fragen sind bislang unbeantwortet
- Wie häufig erleben Frauen in Deutschland während der Geburt Respektlosigkeit und Misshandlung?
- Welche Personengruppen sind besonders betroffen und wie erleben diese Personen die Geburtsbegleitung?
- Welche Einstellungen und Haltung sind bei Hebammen, Ärzten und Ärztinnen, die Gebärende betreuen, zum Phänomen Respektlosigkeit und Misshandlung beziehungsweise zu einer respektvollen Begleitung und Wahrung der Selbstbestimmung während der Geburt zu rekonstruieren?
- Welche Risiko- und Schutzfaktoren im Hinblick auf ein positives Geburtserleben können identifiziert werden?
In Kooperation mit der Sektion „Respektvolle Geburtshilfe“ der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaft (DGHWi), vertreten durch Prof.in Julia Leinweber, Charité, wird aktuell die AWMF-Leitlinie „PeriTrauma“ erarbeitet. Hierbei fungiert die Sektion als sogenanntes Sounding-Board für die Leitliniengruppe und gibt regelmäßig Feedback zum Arbeitsstand.
In Kooperation mit Prof.in Claudia Limmer wird ein Forschungsschwerpunkt aufgebaut, der sich mit den oben genannten Fragen beschäftigen wird.
Publikationen
Tegethoff, D., Groß, M., Limmer C. (in Vorbereitung): Experiencing disrespect and abuse in a high income country.
Leinweber, J., Stramrood C., Tegethoff, D. (2025): Die Sektion „Respektvolle Geburtshilfe“ der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaft. Hebammenforum. Geburt kompakt. 2.2025, 4-7
Tegethoff, D.; Leinweber, J. (2022): Respektlosigkeit und Gewalt in der Geburtshilfe. Impulse für Gesundheitsförderung 144/2022. 11-12
Leinweber, J.; Käuper, K.; Malterer, C.; Winkler, C.; Striebich, S.; Tegethoff, D.; Ensel, A. (AG Respektvolle Geburtshilfe) für die Deutsche Gesellschaft für Hebammenwissenschaft e.V. (DGHWi) (2021): Sichere und respektvolle geburtshilfliche Versorgung während der COVID-19 Pandemie Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaft e.V. ZHWi 09/2021 Heft 01, 9
Limmer, C.; Striebich, S.; Tegethoff, D.; Jung, T,; Leinweber, J. (2020): Respektlosigkeit und Gewalt in der Geburtshilfe. Position der Dt. Gesellschaft für Hebammenwissenschaft. Zeitschrift für Hebammenwissenschaft 08/2020, Heft 02, 46-48
Koch, C.; Tegethoff, D. (2018): Respektlosigkeit und Gewalt während der Geburt in Kreißsälen. ZHWi 6/2018, Heft 2, 85-88
KoHeb - Kompetenzorientierung und Lernen im Bachelorstudiengang Hebammenwissenschaft
KoHeb - Kompetenzorientierung und Lernen im Bachelorstudiengang Hebammenwissenschaft
(gefördert durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur)
Ziel des Projekts ist es, die noch jungen Hebammenstudiengänge an Hochschulstandorten in Deutschland kompetenz- und professionsorientiert zu beforschen und zu evaluieren und damit zu einer innovativen und evidenzbasierten Qualitätsentwicklung und Etablierung der Studienangebote beizutragen. Durch standortübergreifende Analysen sollen neue Erkenntnisse zur curricularen und didaktischen Gestaltung des dualen Studiengangs Hebammenwissenschaft gewonnen werden.
Kompetenzorientierung und Lernen im Bachelorstudiengang Hebammenwissenschaft
Publikationen
Soyka, C., Schaper, N., Bauer, N., Berger, J., Schlüter-Cruse, M., Striebich, S., Tegethoff, D., Groß, M. M. & das KoHeb-Studienteam (2025): Wer beginnt ein Hebammenstudium in Deutschland? Untersuchung der sozialen, individuellen und organisationalen Heterogenität unter den Studienanfänger:innen. Duales Studium 1.25. S.25 -43, DOI 10.25162/DUA-2025-0001
Soyka, C., Berger, J., Hermann, D., Martis, R., Plappert, C., Schaper, N., Schlüter-Cruse, M., Tegethoff, D., Weckend, M., Groß, M. (submitted): Navigating study demands in first-year midwifery education: Mixed-methods insights from students, university lecturers, and clinical mentor midwives Nurse Education in Practice.
Promovierende
Am Lehrstuhl Hebammenwissenschaft können Sie zum Dr. rer. hum. promovieren. Ein Bezug zur Universitätsmedizin Rostock ist dabei erforderlich.
Promotionsordnung der Universitätsmedizin Rostock
Wenn Sie sich für ein hebammenwissenschaftliches Thema und für qualitative Methodologie und Methoden interessieren, dann nehmen Sie Kontakt zu Prof.in Tegethoff auf.
Kontakt
Prof.in Tegethoff
dorothea.tegethoff{bei}med.uni-rostock.de
Promovierende am Lehrstuhl Hebammenwissenschaft

Andrea Greiner
Titel der Studie: Evaluation der geburtshilflichen Versorgungssituation am Beispiel der Landeshauptstadt München – Ergebnisse der Münchener Mütterbefragung 2022/2023

Daniel Mauter
Titel der Studie: Pflegerisches Schmerzmanagement von tumorerkrankten Kindern in der Akutversorgung

Clara Eidt
Titel der Studie: Rekonstruktion fachspezifischer Orientierungen im Kontext der Berufsqualifizierung von Hebammen

Jana Hartwig
Titel der Studie: Erleben der gesundheitlichen Versorgung in der reproduktiven Lebensphase – Mütterbefragung mit qualitativen Interviews im Landkreis Vorpommern-Rügen vor dem Hintergrund der Klimaveränderungen

Ebba Marie Lindheimer
Titel der Studie: Kollektive Erinnerungsnarrative in der beruflichen Identität und der gesundheitspolitischen Positionierung von Hebammen in Deutschland


