Clara Eidt
Dissertationsvorhaben
„Geburtshilfliches Handeln im Praxiseinsatz: eine rekonstruktive Untersuchung subjektbezogener Orientierungen von Studierenden der Hebammenwissenschaft“
Thema
Hebammen begleiten als geburtshilfliche Fachpersonen Familien rund um Schwangerschaft, Geburt und frühe Elternschaft. Ziele ihres Handelns sind insbesondere die Gesunderhaltung von Mutter und Kind, sowie die Förderung von Eigenkompetenz und Selbstbestimmung.
Eine konsequente Forderung und Förderung subjektiver Autonomie wird im Hebammenwesen jedoch widersprüchlich diskutiert. In der gelebten Realität müssen sich Hebammen auch in einem ökonomisierten und hierarchischen Gesundheitssystem zu bestehenden Anforderungen verhalten: z.B. Personalnotstand in Kliniken und eingeschränkten Möglichkeiten zur eigenen beruflichen Autonomie. Studierende der Hebammenwissenschaft erleben als fachlicher Nachwuchs wie normative Anforderungen an eine evidenzbasierte, personenzentrierte Hebammenversorgung in der beruflichen Handlungspraxis gelebt bzw. nicht gelebt werden. Bislang ist ungeklärt, mit welchen Orientierungen werdende Hebammen Spannungsfelder zwischen gesellschaftlichen und institutionellen Erwartungen an Geburtshilfe verstehen und handhaben.
Mein Forschungsvorhaben widmet sich der Frage, wie Studierende der Hebammenwissenschaft ihr geburtshilfliches Handeln im Praxiseinsatz angesichts widersprüchlicher gesellschaftlicher und institutioneller Erwartungen konstruieren und wie sich dabei Vorstellungen von Geburt und Gebärenden zeigen.
Fragestellung
- Welche Handlungsorientierungen leiten Studierenden der Hebammenwissenschaft im Praxiseinsatz?
- Welche Perspektiven auf Geburt und Gebärende zeigen sich in ihrer Versorgungspraxis?
Methode
Insgesamt wurden nach einem positiven Ethikvotum zwischen 2022 und 2024 neun Gruppendiskussionen mit Studierenden der Hebammenwissenschaft durchgeführt. Die Auswertung der Daten fokussiert die Rekonstruktion expliziter und impliziter Wissensbestände zu geburtshilflichem Praxiseinsatz, Geburt und Gebärenden. Sie folgt den wissenschaftlichen Standards der Dokumentarischen Methode nach Ralf Bohnsack.
Ziel ist eine durch komparative Analyse empirisch fundierte sinngenetische Typenbildung.
